Die Geschichte der DBU


Ausgangspunkt für die Entstehungsgeschichte der heutigen DBU war die Idee zur Gründung eines Theaters für die verschiedenen Minderheiten in Ungarn. Seit der 1972 geänderten ungarischen Verfassung wird den Minderheiten Gleichberechtigung sowie die Verwendung der eigenen Sprache, Unterricht in der Muttersprache und die Erhaltung und Pflege der eigenen Kultur zugesichert. In dieser Phase positiver politischer Entwicklungen schien die Idee zur Schaffung eines Minderheitentheaters in greifbare Nähe zu rücken. Insbesondere Dr. Dénes Földessy - Journalist, Dramaturg und Theaterwissenschaftler - setzte sich für die Realisierung eines solchen Vorhabens ein, da er neben dem Unterrichtswesen, vor allem in Musik und Theater eine wunderbare Möglichkeit zur Vermittlung von Sprache und Kultur für Erwachsenen und Kinder sah. Allerdings überstiegen die für das Theater geplanten Kosten von ca. 10 Millionen Forint in den Jahren verschärfter wirtschaftlicher Probleme die Möglichkeiten aller in Frage kommender Träger, so dass schließlich nur ein Budget von ungefähr 100.000 Forint zur Verfügung stand.
Das letztlich eine deutschsprachige „Schaubühne“ ins Leben gerufen werden konnte, ist der engen Zusammenarbeit von Kultusministerium, deutschen Minderheitenorganisationen und regionalen Kräfte zu verdanken, wenngleich es noch ein Jahr dauern sollte, um die verschiedenen Interessen zusammen zu führen und die zahlreichen Fragen hinsichtlich technischer, personeller und wirtschaftlicher Anforderungen zu klären.
Es sollte ein Theater etabliert werden, welches mit Produktionen in der Sprache der Minderheit bei kleinem Ensemble und weniger aufwendigen Bühnenequipment auf Reisen gehen kann, um damit die über das Land verstreute Minderheit besser zu erreichen. Die Wahl des eigentlichen Standorts aber fiel auf Szekszárd, der Bezirkshauptstadt des Komitats Tolnau, da hier über 7% der deutschen Minderheit beheimatet war und sich durch die intensive Pflege ihrer Traditionen auszeichnete. Die deutsche Sprache erlebte in dieser Region bereits eine ausgeprägte Förderung im Rahmen von Kindergarten und Schule sowie in der Ausstattung von Bibliotheken mit deutscher Literatur. Ebenso erfreuten sich deutsche Medien wie der "Deutsche Kalender" und die "Neue Zeitung" im Komitat einer großen Stammleserschaft.
Schließlich konnte im Jahr 1982 die eigentliche Arbeit beginnen. Das Mihály Babits Kulturhaus, das mit den organisatorischen Aufgaben betraut wurde und nun auch als Veranstaltungsort für deutsches Theater in Szekszárd diente, stand vor der Aufgabe, über den eigenen Wirkungskreis hinaus ein Programm für das ganze Land zu organisieren. Dénes Földessy übernahm als Mitarbeiter des Kulturhauses die Leitung der Schaubühne und veranlasste mit der deutschsprachigen Lesung zum 150. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe am 11.11.1982 die Auftaktveranstaltung der deutschen Schaubühne in Szekszárd. 1983 wurde das Programm mit einer literarischen Zusammenstellung aus Werken von Heine und Petőfi in deutscher und in ungarischer Sprache fortgeführt. Nach diesen Anfängen nahm die Entwicklung des Theaters unter der Intendanz von István Dránovits eine entscheidende Wendung. Der 20.2.1984 stellt mit der Aufführung des Stückes „Anatol” von Arthur Schnitzler unter der Regie István Iglódis den Beginn der regelmäßigen Schauspielvorstellungen dar.
1989 setzte sich die Arbeit unter dem Namen „Deutsche Bühne“ im Kulturhaus fort und konnte mit Unterstützung seitens des Ungarischen Staates und der Bundesrepublik Deutschland sowie verschiedener Stiftungen und Vereine 1994 in ein eigenes Gebäude - dem ehemaligen Kino „Világ Mozgó”- umziehen. Seitdem haben die Intendanten der deutschsprachigen Schauspielerei – Dénes Földessy, István Dránovits, András Frigyesi, Lajos Máté, Claudia Nowotny, Zsuzsa Dávid, Ildikó Frank – und die Zuschauer sowohl in Ungarn als auch im Ausland mit ihren Besuchen und ihrem Engagement die Daseinsberechtigung des Theaters immer wieder bestätigt. Das stets gewachsene Angebot von Dramen, Tragödien, Opern und Musical bis hin zu Kindertheaterstücken mit Musik, Komödien und Operetten haben der DBU erfolgreiche Auftritte im In- und Ausland ermöglicht und sie in die Reihen anerkannter und gern besuchter Ensembles gehoben. In einem Zitat anlässlich der Einweihungsrede des Theaters von Árpád Gönz, dem Präsidenten der Republik Ungarn heißt es„ …im Leben der Ungarndeutschen hat 1982-83 ein neuer Zeitalter begonnen, als das erste Mal eine Theateraufführung in ihrer eigenen Muttersprache in der Stadt stattgefunden hat”.


 

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