Die Geschichte des Gebäudes
„...neue Farben und Figuren reiten auf dem Lichtfächer - ein günstiger und zugleich prachtvoller Genuss, der sich hier bewundern läßt...” (Mihály Babits: Bewegtes Lichtbild. Zitat) Das heutige Gebäude der Deutschen Bühne Ungarn blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Es wurde ursprünglich in der Funktion eines Kinos auf dem Garay Platz erbaut, bevor dort 1994 das einzige professionelle deutschsprachige Theater in Ungarn seinen Platz fand. Als der Film am Beginn des 20. Jahrhunderts seinen Eroberungszug um die Welt antrat, konnten sich zunächst die Bürger von Szekszárd über diese technische Sensation lediglich über Zeitungsberichte informieren. Am 2. Dezember 1912 aber bot sich die Gelegenheit dieses Wunder im Theatersaal des Hotels Szegzárd endlich selbst zu erleben und zu bewundern. Schließlich wurden viermal pro Woche Filme im damaligen „Garay Mozgó” gezeigt. Das große Interesse der Bevölkerung brachte Gyula Káldy auf die Idee, ein richtiges Filmtheater aufzubauen. Am 29. Oktober 1913 wurde das erste Kino in Szekszárd, das „Világ Mozgóképszínház” eröffnet. Wie „Ein kleines Märchenschloss” – schrieb damals begeistert ein Tagesblatt über das Gebäude, dass von János Unglár in sezessionistischem Stil erbaut wurde. Aus dem mit Spiegeln dekorierten Foyer konnten damals wie heute die Kasse und die Garderobe erreicht werden. Man wurde durch zwei Eingänge in einem 30 x 8 Meter großen Zuschauerraum und mit einer 6 x 5 Quadratmeter großen Leinwand empfangen. Die Seitenwände wurden mit Bildern von György Keil, einem Maler aus Fünfkirchen dekoriert und mit 180 Glühbirnen beleuchtet. Der Saal, welcher sogar mit einer Bodenheizung ausgestattet war, bot 465 Personen Platz, wobei man die begehrtesten und zugleich bequemsten Sitzgelegenheiten in den Logen fand. Vom Balkon des Gebäudes aus, hatte man eine wunderschöne Aussicht auf den Garay Platz. Ein Durchgang führte die Gäste direkt zum Büfé, welches sich im Wintergarten befand. Nach dem Stummfilm folgte im Jahr 1930 der Tonfilm, der auch in Szekszárd zur neuen Sensation wurde. Das „Világ Mozgó” zählte bald zu den beliebtesten Vergnügungsorten der Stadt. Es war jedoch mehr als nur ein Kino. Auf der 8 x 3 Meter großen Bühne konnten auch Lesungen und musikalische Aufführungen stattfinden. Trotz des im Jahr 1970 erbauten imposanten Panorama Kinos, stand auch das „Világ Mozgó”, welches mit einem wesentlich kleineren Zuschauerraum auskommen musste, im Dienste der Filmkunst bis zum Brand am 7. Mai 1986. Nach dem Neuaufbau hatte das Gebäude zwar noch die Funktion eines Kino, wurde aber 1991 endgültig geschlossen. Nach dem erneuten Umbau konnte in diesem Gebäude ein Theater in Szekszárd seine Pforten öffnen: die Deutsche Bühne Ungarn. Der Vorhang hob sich erstmals im Jahre 1994, um „neue Farben und Figuren” in deutscher Sprache auf der Bühne zu präsentieren.
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